Cochon, Schwarzmantel

Cochon, Schwarzmantel

Ihr wollt die Lebensgeschichte eines Schwarzmantels hören? Nun gut, nehmt euch einen Krug Vin rouge und lauscht:

Mein Vater war ein echter Bretone und Lebemann. Er heiratete meine Mutter wegen ihrer Schönheit und weil sie als einziges Kind eines Milchasenzüchters westlich von Testiklle einen Gutshof zu erben hatte. Nachdem mein Großvater bald darauf überraschend verstorben war, merkte mein Vater schnell, dass die Milchhasenzucht kein leichtes Gewerbe ist. Also verkaufte er die Hasen und sattelte auf Schweinezucht um, was zwar einfacher aber trotzdem viel Arbeit war. So wurde ich nicht aus Liebe gezeugt, sondern weil meine Eltern eine helfende Hand brauchten…

Viele glauben, dass man mich Cochon - das Schwein - aufgrund meiner späteren Taten nennt. Doch tatsächlich begab es sich, dass die Nachbarn mich kleines rosa Würmchen kurz nach meiner Geburt im Schweinestall sahen und zunächst dachten, ich sei ein neugeborenes Ferkel. Aus der Verwechslung wurde ein Name, und meine Eltern machten sich nie die Mühe, einen anderen auszuwählen.

Da die Schweinezucht meinem Vater nicht einträglich genug war, ging er dazu über, Reisende im Schlaf zu erschlagen, auszurauben und ihre Leichen an die Schweine zu verfüttern. So wuchs ich auf und hielt dies für ein normales Gewerbe. Doch eine Tages verkaufte mein Vater ein Schwein für ein Fest und beim Schlachten fand man eine noch fast unversehrte menschliche Hand im Magen des Tieres. Als die Büttel erschienen, erhängte sich meine Mutter, um der wohlverdienten Strafe und üblichen Schändung zu entgehen. Meinen Vater prügelten die Büttel zu Tode in der Hoffnung, er würde ihnen verraten, wo all die Beute versteckt sei. Doch die war längst versoffen und verhurt.

Ich war damals 11 Jahre alt, eine Waise und derjenige, der vor Gericht gezerrt wurde. Ich erhielt ein mildes Urteil: Nur 20 Jahre Arbeitslager auf der Ogerinsel. Unter Schweinen war ich aufgewachsen, unter Wölfen verbrachte ich nun mein Leben. Zwangsarbeit und Dunkelhaft zeichneten mich und als ich entlassen wurde, waren mein Rücken kaputt, meine Augen geschwächt und meine Seele so schwarz, wie der Nachthimmel über Lex Port, wo ich an Land ging.

Ich zog umher, raubte, mordete und schändete, denn nichts anderes hatte ich gelernt. So kam es, dass ich nur ein Jahr später wieder vor Gericht stand, weil ich einen Mann für einen Schluck Vin rouge erstochen hatte. Ich wurde vor die Wahl gestellt: Rädern und Vierteilen oder ein Leben im Dienste des Ordens des St. Reginald. Nach kurzer Bedenkzeit entschied ich mich für das Leben als Reliquienknecht im Orden und legte den schwarzen Mantel an.
So ziehe ich nun im Namen des größten Helden Bretoniens umher, nur ein weiterer Schwarzmantel, einer von vielen…

Ihr haltet die Geschichte meines Lebens für eine traurige Geschichte? Nun, sie führte mich in die Arme des Ordens und so frage ich euch: Kann eine Geschichte, die so endet, wirklich traurig sein? Es ist wahr, dass ich mich manchmal den Toten näher fühle als den Lebenden. Der Tod ist ein ständiger Begleiter, doch erstmals bin ich Teil einer Gemeinschaft und mein Leben oder Sterben hat so vielleicht einen Sinn. Wer weiß…
Welche Ehre, dass Ihr euch die Zeit genommen habt, und welche Verschwendung… Ihr werdet meine Geschichte vergessen und ihr werdet mich vergessen. Und wenn Ihr ein guter Mensch seid, werden wir uns auch im Jenseits nicht begegnen. Adieu und bonne chance.

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